Wenn Frauen ihren Mann stehen
Etwas feinfühlig beobachtet leben wir neuzeitlich in einer Zukunft, die uns gestern noch in braven Trotzkopfgeschichten zur unmöglich erachteten Geschlechterordnung, aber doch ebenso anschaulich in Science-Fiction-Erzählungen beschrieben wurde. Wenn auch fernab in Gesellschaften die auf dem Mond leben. Die einstige europäisch irdische, als sichere Gesellschaft angesehene männliche Ordnung hat sich seitdem in zwei Kriegen der Welt gegen sich selbst, aus einst gewünschten Beteiligungen ihrer Klassen und Schichten zur neuen Ordnung der Ungewissheit den jungen ungestümen Mädchen ihrer Zukunftsgesellschaft zugewandt. Und ist zeitnah von ihr gefordert, deren Selbstbestimmung mustergültig geworden.
Die Knöllchen, einst von schmucken Uniformen der Verkehrswacht verteilt,
wurden zu handfesten Polizistinnen, die auch des Nachts auf Streife gehen, und sie mit Kollegen durch finsterste Winkel der Städte streifen. Im markanten Dschungelcamp der Ausbildung robben sie in der Geschlechterspezifikation unkenntlich gemacht, mit Gestalten unter dem Stacheldrahtverhau hindurch, und scheuen sie nicht auf Zielgeraden den Feuerstock, der einst den Kriegerischen liebste Braut genannt, abzufeuern. Brennende Pfeile des geflügelten Amore, von berittenen Amazonen ausgesandt werden es zuweilen wohl ebenfalls gewesen sein, staunten schon antike Heldensagen.
Derweil müht sich ein zumeist doch männlicher Erzeuger, der einst in der Literatur Hausvater gerühmt wird und zugleich der Ernährer im trauten Heim gewesen ist. Aber der auch ein eleganter Bankrotteur auf Börsenmärkten sein durfte, in der jetzigen Gegenwart um die duftenden Windeln der Jugendolympiade im Babyschwimmen. Und gemeinsam mit gleichgesinnten Vätern trainieren sie mit schon älteren Zöglingen im Schulstreik, wie in der Neuzeit immer noch Kinder genannt sind, sowie im täglichen Wettstreit der medianen Welt. Wer von ihnen zur Reinlichkeit den Haushalt zu machen hat, und übernehmen Mädchen meist die Herrschaft im Kampf mit den Ungetümen der Staubsauger.
In einstigen Tagen noch waren die lieblichen Krankenschwestern diejenigen, die einen tapferen Mann nach allen Schlachten aus schweren Träumen seiner Männlichkeit wieder ins Leben zurück beförderten. Auch die Köchinnen, Näherinnen, Stickerinnen der Flechtfrisuren waren begehrt, die schwitzenden Arbeiterinnen aber, die im Kohlenstaub auf Schuttbergen und in Beeten der Wurzeln schufteten, waren weniger gefragt und sind ihre Kolonnen im Tross den Kriegern nachgezogen in Tiefen der verdunkelten Historie vergessen. Doch sollte sich ihr Wandel zur Neuzeit bald wieder an sie erinnern, wie in letzten Schlachten um Napoleon jüngst der Soldatin Friederike Krüger zu Ehren bei uns eine Kaserne getauft wurde.
Lieben sollen wir unsere Feinde, denn sie sind Menschen wie Du und Ich, und keine Kuscheltiere im rosa Mädchenzimmer, die den Naturen des Menschen gehorchen müssen. In allen Farben und Nuancen, in allem Denken und ihren schönen Trieben, die sie gerne mit uns teilen wollen, nachdem ihr Tarnfleck, ihre Uniform sie nicht mehr hindert. Denn schließlich wandelte wohl einst ein suchender Saulus, ein normativer Krieger Roms zum Paulus, noch während wandelmutig Göttin Athene zur römischen Minerva mutierte, und ein Flavius Josephus nach dem Krieg Israels zum Historiker seiner Zeit. Es wird neuzeitlich resümiert: "Wer von euch ist ohne Schuld?" (Johannes 8,7) bevor sie Porzellan im Haushalt und Granaten auf dem Felde der Ehre aufeinander zu werfen beginnen.
Andreas H. Scheibner 2026
P.S.
Der Frauenanteil in der Bundeswehr liegt bei knapp 14 Prozent.
Ende Juli 2026 waren 25.475 Soldatinnen in insgesamt 186.705 militärischen Angehörigen der Bundeswehr, heißt es von dort - ein Anteil von knapp 14 Prozent. Seit dem Jahr 2001 in allen Laufbahnen. Der Weg zum Kommando einer Fregatte ist lang und anspruchsvoll - 15 Jahre und mehr kann dieser dauern. Bisher haben laut Bundeswehr zwei Frauen das Kommando auf Minensuchbooten übernommen.
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