Ein neues Fakeporno oder
'Der Duft des Gänseblümchen'
Über die sonnige Sommerwiese gegangen, sind wir immer ein wenig darauf bedacht nicht alles was dort wächst niederzutreten. Auf unseren Wiesen vor der Stadt, die hier ein Landwirt sorgsam vorbereitet ausgesät hat, und dieses Landstück ein paar Jahre sich selbst überlassen hatte ist dies kaum möglich. Es wuchert geradezu in allen Farben, von rot bis blau von gelb bis grün, und ein manches Violett dazwischen kann sich in seinen Sonderformen der Vielfalt entlang den Rispen sogar ziemlich etwas einbilden und zu den etwas arroganten Orchideenblüten behaupten.
Ein kräftig gepunkteter Frauenschuh wippte einladend mit seinen Früchten, angefüllt mit fruchtigem Nektar zu seinen wenigen Blättern und ein hellblaues Knabenkraut liessen sich ihrer ungeduldigen Jugend entsprechend nicht lange bitten, um bei der Suche nach einem Sträußchen Liebe auch gefunden zu werden. Eine fröhliche Gruppe Mädeweiss versteckte sich lachend aber auch zierlich duftend hinter den samtenen, duldsam und doch etwas aufgebrachten Stiefmütterchen in ihrem strengen Blick auf alles junge Geschehen zwischen dem Blattwerk umher.
Mitten in den Wogen der sich wiegenden Windeswiese ragt eine einzelne gelbe Königskerze starr und gerade aufrecht des Feldes empor und korrespondierte sie mit dem verlockend zierlichen Hirtentäschel neugierig in seiner vornehmen Art, von der feinen Nelkenversammlung umher belächelt, die sich in ihren vielen feinen Blüten als zahlreich vorzeigten. Die üppige lockende Alraune war sich indessen ihrer besonderen Wirkung wegen wie immer und seit Ewigkeiten schon sehr selbstsicher und blühte sie dieses Jahr besonders häufig.
Die prächtigen Malven, die helle leuchtende Kamille und kräftige Arnika der Kräuter besprechen sich vielleicht zuweilen um ihrer Heilwirkung wegen, als neulich erst die Blutwurz und der Fenchel vom Felde geholt wurden. Der süsse Pastinak war noch nicht reif für den Suppentopf meinte die Bäuerin und so musste er sich ebenso wie das Vergissmeinnicht und der Beifuß gedulden, um irgendwann zur Würze oder einem heilsamen Tee zu genügen. Eine wilde Möhre wäre so gerne auch mitgezogen worden, doch war sie noch viel zu jung für ein solches Abenteuer.
Der elegante persische Ehrenpreis war nicht weniger geworden in den Jahren und leuchtete geradezu in flachen Hügeln des Weges am Rande des Feldes, um von einigen Kaninchen mit Genuss und der Feldmaus über den steinigen Weg hinweg fortgetragen auf ein weiteres Feld zu gelangen. Überall in Ländern Europas zu finden erfreut er die Besucher der Natur und besonders die Spaziergänger am Rande der Städte in seiner gemusterten Linienführung jedes Jahr immer wieder. Vereinzelte Gräser standen unbeachtet ihrer schönen Linien und Vorfahren am Feldesrand, ihre Verwandten werden zur Zeit geerntet.
Auf dem Weg zurück zum Hof pflückte die Bäuerin noch von der mageren Wiese einige der lieblichen Gänseblümchen, die in ganzer Vielzahl ihrer Köpfchen aus den Gräsern hervorschauten und zupfte sie Blättchen für Blättchen in ihren Gedanken,
"Er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich, erliebt mich nicht, er liebt mich . . . " Zufrieden mit dem Ergebnis band sie darum einige Blüten zu einem Ring einander, den sie um ihr Handgelenk schmückte. Auffällig zu einem hübschen Band geflochten soll er ihr mit fein duftenden Körbchen Glück bringen.
Ihnen schöne Sommertage in der Frohnatur,
Und hier einige Zeilen zur Erhaltung der Arten.
Andreas H. Scheibner 2026
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