Frieden und .., Frieden und ..,

Zum Frieden 2018 im August

Kriege, ihre Gefahren und Geschichte

Es ist schon eine Eigenschaft der Kriege. Sie haben im Bewußtsein des Menschen etwas hinterlassen, was wir kaum mit wenigen Worten wirklich als etwas Ganzes erfassen können. Es sei denn, wir haben den Krieg in seinen vielen Geschehen im Einzelnen selbst erlebt.
Einst machten sich in der griechischen Mythologie die Furien auf ihr zu enges geheimnisvolles Behältnis der Pandora zu verlassen, um freigelassen in die Welt zu herrschen verbreiteten sie überall ihre Ängste und Schrecken.
Ihre in die Himmelsrichtungen ausgesandte Zerstörungen des Todes wurden mit allem sichtlich entstehendem Elend zu einem einzigen Wort, und wurde ihnen im 'Krieg' der Deutschen zunächst nur eine der Definitionen gegeben, die es in allen Sprachen dieser Welt gibt. In den Ängsten ihres begleitenden Geschehens gibt es im Volkmund den vorauseilenden Ausruf in den sichtlichen und herannahenden Kriegsgefahren überall in den Weltländern.

Hier nur einige Ausrufe, wie in arabischen Ländern und im lateinischen Sprachraum 'Guerre dei Diadochi', bei den Sikh Indiens in Russlands Umgebung und in der verträumten Südsee Haiti 'Ke kaua', bei den Kriegern der Zulu im dunklen Afrika 'Impi' und im noblen Inselreich England 'The War', an den Küsten der Fischerdörfer und Friesen 'De Oarloch', und im einstigen Reich des verwunschenen Malaysia 'Perang' gerufen wird. Haitis Ureinwohner, die Insulaner wurden ebenso wie Kriegerkasten Indiens und die Stammeskrieger der Zulu berühmt in der Geschichte des Krieges mit ihrer Kriegskunst und der Ausruf 'La Guerre' der heute in Paris im Museum hängt, hallte in den Jahrhunderten immer wieder durch alle Länder und rund um das Mittelmeer.
Viele Bücher wurden geschrieben über solche Macht des Tötens, in den Taktiken des Friedrich II über Europas Ländergrenzen, in der Schnelligkeit der Berittenen 'Das Pferd', und den Allianzen der Zerrissenheit in 'Teile und Herrsche'.
In der Stärke von Gelassenheit und dem Mut der Verzweiflung, den Finten und Scheingefechten des Schachspieles in Angriff und Verteidigung berichten in den Verlusten die Bauernopfer über eine Taktik der verbrannten Erde. Von der Depression der Bevölkerung durch Sanktionen und im Hungertod, von der letztendlichen Vernichtung der geschliffenen Dörfer, ihrer zerstörten Kulturschätze, Religionen und Auslöschung ihrer errichteten Zivilisationen und Reiche.

Dreizig Jahre wütete der benannte Krieg in den christlichen Konfessionen überall in Europa und nach heutigen Maßstäben in allen beteiligten Staaten und Lebensgemeinschaften übermäßig unchristlich und unmenschlich.
Er endete mit unsäglicher Verlorenheit im geistlichen Gemüt der entkräftigten Bevölkerungen, deren Körper und Seelen allen Lebensmut aufgegeben hatten, um sich der beschämenden Vernunft der Friedenserklärung im freien Willen unterwerfen zu können. Ihre junge Leben begannen erst in einer Zeitentwicklung der tiefen Erniedrigung ihre gleichseitigen Kapitulationen der Kirchenführungen vorzubereiten. Um erneut sich zu finden, um erneut hoffen zu können. 'Wir brauchen einen neuen Gott', schrieb der Dichter Andreas Gryphius zum Friedensvertrag in Westfalen, denn:

'Unser Gott hat sich voll Gram von uns abgewandt!'

Hundert Jahre währte der Krieg Athens gegen den Peloponnes der Spartaner. Europa konnte es nicht besser und donnerten die Kanonen Spaniens und Hollands, Frankreichs und Englands hundert Jahre gegeneinander. Die einst wohlhabenden Königreiche wurden Zusehens mit leeren Schatzkammern arm an Gestalt. Gewonnene Schlachten gab es etliche, doch letztlich mit allen verlorenen Städten, untergegangenen Schiffen und verpulverten Golddukaten keinen Sieger.

Sieben Jahre dauert nun schon alles Kriegsgeschehen im Vorderen Orient des Syrischen Staates im Bürgerkrieg. Die regierenden Herrscher rüsteten neuzeitlich immer wieder zum Krieg gegen Israel. Besonders der Vater des Assad war im arabischen Verbund zum Verfechter gegen die israelische Staatsgründung avanciert. Ging es ihm aber vorwiegend um den eigenen Machtanspruch in Arabien. Derzeit findet bereits eine innere Säuberung des absehbaren Gewinners dieser zerstörten Städte in der weltlichen Außendarstellung seiner weiteren Herrschaftansprüche statt. Die möglichen Pfründe und Besitzansprüche über Grundstücke und Landschaften werden bereits über ungezählten zerstörten Gräbern der biblischen Offenbarungen umverteilt, und kann Russland seine örtliche Präsenz im Orient nunmehr mitgestalten.

Selbst wenn kriegsgewohnte Völker in ihren Opfern die eigene Schicksalsergebenheit im Gottvertrauen eher stoisch hinnehmen, und sie zumeist schon erste frühe und kindliche Erfahrungen gewesen sind, verbleiben dennoch die Erlebnisse in den Erzählungen über ihre Helden und Toten, über die geschlagenen Wunden gleichermaßen mit Abscheu in den erlebten Geschehnissen noch lange im seelischen Widerhall.
Heute in den Bildern des modernen Vorzeigens weltweit berichtet und wie schon in vergangenen Jahrzehnten den Menschenmengen vermehrt aufgezeigt, in ihrer Bereitschaft der Grausamkeit eines jeden Krieges und seines kategorischen Tötens. Mit denen in den Straßen aneinandergedrängt die Menschen sich anschließend in den Staub begeben, sie in den Trümmern nach Überlebenden suchen und ihre Namen rufen. In den Rufen der Verletzten und Sterbenden an den einen Gott ihrer Ansicht und die Mitmenschen zur Ermahnung gerichtet. Als solches erklärte sie Gegner und Feinde sind, oder Freunde und Brüder, die einst ihre Waffen aufeinander richteten.

Den menschlichen Urlauten jeden Kampfes um Leib und Leben folgten die angestrengten Verlautbarungen aus aller Welt und lässt sich fragen, welchen von ihren Rufen wahrscheinlicher gefolgt wird. Welche bestimmend sind für den etwaigen Krieg oder eine mögliche Abwendung hin zum Frieden. Eine mögliche Besinnung in der angelaufenen Maschinerie und routinierten Systematik des Krieges zu erlangen und zuvorkommend eine zunehmende Aggression beizulegen?
Welche Umstände ließen sich benennen und festlegen, die den offensichtlichen Kontrahenten zur Einsicht bewegen könnten und welche wären völlig inakzeptabel?
Schön wäre es einfach zur Regel, wenn man hierfür sogleich die richtigen Betonungen und Ansätze im Verstande aufrufen könnte, in passenden Worte und Definitionen im gemeinsamen Sprachraum, und eine zunehmende Offenheit der Einsicht, die zum Einverständnis der möglichen Lösungswege führen könnten. Um Einspruch zu erheben und den möglichen Widerspruch zu akzeptieren. Weil dem zumeist aber nicht so ist, und wir Menschen menschlich betrachtet in der geistigen Entwicklung bislang wenig Veränderung erfahren, müssen wir Jahr für Jahr, und Tag für Tag in Erkenntnis der Gewalt und des Tötens die Gefahren erkennen:
'Unsere Menschheit ist noch längst nicht des Friedens.'
Sie ist in den eigenen Differenzen und äußeren Ansichten um die eigene Bedeutsamkeit der Mächte in den Einzelstaaten längst nicht immer einvernehmlich und einsichtig. Und sind ihre Kriege oft nicht zu vermeiden.


Kriege werden immer noch vorrangig mit dem Bewußtsein der mentalen, proklamatisch aufgeschäumten Machtvorstellung und weitgehend in der anhaltenden Selbstinszenierung bis zur völligen Selbstzerstörung betrieben.
Einbezogen sind zumeist sämtliche Bevölkerungsteile der Zivilisten sowie Berufssoldaten und eine Rekrutierung zur Pflicht solcher Menschen, die keinen Krieg wollten und die entweder flüchten können oder in ihm zu leiden haben. Vergleichbar generiert sich ihre Machtvorstellung zumeist traditionell und empirisch motiviert in der Auszeichnung der Einzelnen, die ihre Anerkennung im Kollektiv haben.
Im internationalen Bereich sogar in der Anerkennung durch die Spitzen der Beteiligung und in den Vorsprachen während der Versammlung der Vereinten Nationen. Nahezu jeder Krieg führende Staat konnte bisher seine Version vom Geschehen in den Ansichten und zu seinen eigenen Kriegsbeteiligungen bei den UN vortragen. Oder ebenso dort seine wahren Absichten verschweigen.

Gleichwie sofort und entweder mit den vernommenen Ausrufen der Zeitungsjungen 'Es ist Krieg!' werden unwillkürlich die Ängste zur Verteidigung hervorrufen und schwinden mit den Worten 'Kapitulation und Frieden' in den Gemütern alle Lasten und Ängste aus dem Antlitz der Menschen. Die Menschheit hat sich auf diese beiden kontrastierenden Eigenschaften der Machtpolitik bereits ziemlich gewöhnlich eingestellt, denn irgendwo im Weltgeschehen gibt es abgelegen ständig einen Krieg und sind die Beteiligten irgendwann dann so sehr erschöpft, wie sich ein möglicher Frieden abzeichnet.
Die UN - und dies kann nur immer wiederholt werden, ist ausschließlich eine Friedensorganisation in den Aufgaben der von allen Staaten unterzeichneten Charta und kann sie diesbezüglich nur insofern wirksam werden, wie man ihr die Mittel dafür bewilligt, und ihr die entsprechenden Vollmachten zugesteht. Sie erteilt ebenso Sanktionen wie kriegerische Ermächtigungen zur Beendigung der Kriege.
In der Vorsorge vor allen Kriegen liegt darum eine der bedeutsamsten Funktionen der Unterhändler ebenso wie die Aufklärung der Kriegsverbrechen, wie sich in der Analyse der Jahrzehnte ungefärbt erkennen lassen. Kaum ein führender Weltstaat hat sich nach 1945 mit einem Einspruch der UN von einem Waffengang abbringen lassen. Frankreich nicht in Indochina, Nord- und Südkorea nicht, China nicht in Vietnam, Amerika nicht in Asien und Vorderem Orient, die arabischen Länder in ihren Kriegen nicht, Russland nicht in Afghanistan, Serbien nicht im Kosovo, Syrien nicht im Bürgerkrieg, Argentinien nicht um Englands Insel, im Kaschmirkonflikt und in Afrikas Ländern kommt es wie in der Ukraine mit allen Waffengängen immer nur zur zeitweiligen Waffenruhe. Wobei es eine Neuerung wäre, wenn Eritrea und Äthiopien sich zum dauerhaften Frieden bekennen würden.

In der Ansicht der Vorzeit in ihrer Gewalt des Herrschens zu entkommen, gelang es neuzeitlich den Vereinten Nationen mit allen beteiligten Staaten nach den Hilferufen der Völker in der Gewalt um den Gott des Friedens eine Koalition der Macht zu vereinen, die den Mörderbanden der ISIS und den beteiligten arabischen Kriegern zur Machtergreifung eines totalen Regimes ein vorläufiges Ende bereiteten. Und ist in Afghanistan so etwas wie ein Städtefrieden möglich geworden.
Ein kleiner Weltkrieg wurde entfacht, in der Zustimmung der Beteiligten die extreme Unmenschlichkeit religiöser Fanatiker zu beenden. Jahre zuvor bereits war es gelungen, den aus der historischen Glut der Völker entfachten Krieg der ethnischen Säuberungen im Kosovo zu beenden. Neuzeitlich wollen zudem künftig die Streitkräfte und Pacemaker in Afrikas Ländern mit den Mandaten der Vereinten Nationen eine Präsenz der Stabilität in besonders unruhigen Regionen vereinen. Wie solche Mandate der UN sich bereits weltweit im Nachwege und nach den zum Teil gewaltsam befriedeten Konflikten bewährt haben und wir in Europa gemeinsam mit unseren Waffen und Militärs dort die Miliz ausbilden.

Dennoch steht in allen Regeln des Krieges vor jedem Gang zum Waffenschrank das erhitzte und eifernde Gefecht der Worte. Laut und deutlich in der Gefahr zu vernehmen, gefährlich und beleidigend, direkt und verächtlich im Willen der eigenen Machtvorstellung. Aber zugleich nur bislang ein erstes Wort, welches einschränkend zu weiteren Worten der Gespräche gelangen kann.
Angespannt zur eingeleiteten Entspannung geschaut, ist von uns die Situation in Nordkorea zu beobachten. Der Einfluss der Beteiligten, die sämtlich in eine eigene Version der Zukunft des Weltfriedens schauen, hat voraussichtlich dem lohnenswerten Frieden der Menschheit zunächst noch eine mögliche Offerte überbracht. Kleine Geschenke sind üblich in Asien. In Korea in den Gastbesuchen ebenso wie in China, und haben sie den Bedrängnissen eine Perspektive verschafft.

A.H.S.





Der Menschenrechtsrat und die Politik

Die USA haben ihren Rückzug aus dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen erklärt. Washingtons UNO-Botschafterin Haley bezeichnete die Organisation als heuchlerisch. Haley beschuldigte Mitgliedsstaaten wie Venezuela, Kuba und China, selbst gegen die Menschenrechte zu verstoßen. Zudem sei der Menschenrechtsrat feindlich gegenüber Israel eingestellt.
Vertreter der Vereinten Nationen und die EU bedauerten die Entscheidung der US-Regierung. Der seit 2008 eingerichtete Rat in der UN hatte mit aktuell 47 Mitgliedsstaaten wiederholt Resolutionen verabschiedet, in denen ein unverhältnismäßiges Vorgehen Israels gegen die Palästinenser verurteilt wurde.

Anmerkung der Redaktion:
In allen Ländern der Weltmächte finden menschenrechtliche Verletzungen statt.
Und alle Länder und ihre Regenten, die sich nicht der freiheitlichen Selbstkontrolle anschliessen, bleiben fragwürdig in ihren Ausgestaltungen der Suche nach
einer angemessenen Wahrheit,
der sachlichen Meinungsfreiheit,
und der qualitativen Bildung in ihren Staatsführungen.


Farewell Kofi Annan.
Kofi Annan ist im Alter von 80 Jahren von uns gegangen. UN Generalvorstand und kluger Mann in schwierigen Entscheidungsfragen zum Weltfrieden vor dem Irakkrieg 2002-2005.
Farewell Uri Avnery.
Uri Avnery, Mitbegründer Israels und Mahner für die gerechte Sache des Menschenrechts, ist im Alter von 94 Jahren von uns gegangen. Politiker im Staate Israel und kluger Mann der schwierigen Situation Palästinas.

Friedensdekade 2018