Frieden und .., Frieden und ...,



Frieden 2018 im Februar II



Der irreguläre Rassismus


Was ist eine Rasse ist zu fragen?
Denn ohne sie gäbe es keinen Rassismus in der öffentlichen Wahrnehmung, im Alltag von Beruf und Freizeit, in den Schulen und im Angebot der Unterhaltungsmedien. Ist dies zu einfach gedacht, zu einfach gesagt und zu wenig nachgefragt?
Wer dies denkt, ist entweder naiv und nicht von dieser Welt oder er träumt sich in eine noch nicht wirklich vorhandene Zukunft. Denn dort sind die Rassen überall, und gerade darum nicht zu unterscheiden voneinander.
Der Wahnsinn, der zum Rassenwahn wurde, und sein unseliges Sinnen, begann schon in der Vorzeit der wortlosen Begegnungen, in denen überall auf dem Kontinent die in der Neugier um diese Welt und in Vermehrung verbreiteten Neandertaler zum neuen Menschen verschmolzen.
Begegnungen, die anders verliefen als nur sich zu lieben und zwischenzeitlich den Vögeln zuzuschauen, endeten bald darauf in der Verachtung der Anderen. Die so anders waren, anders lebten und anders redeten. Die nicht zu verstehen waren in ihrem Anderssein.

Aber der wissenschaftliche Mensch, angeregt vom Unbekannten, eroberte die fernen Kontinente und wollte diese Anderen näher erforschen. Die Disziplin der Jesuiten ließ die Mönche in fremde Kulturen reisen, und sind es heute die weniger diziplinierten Wanderprediger. Nicht etwa um der verlorenen Seelen wegen oder vor der gefürchteten ewigen Verdammnis lehrten sie ihre Theosophien und lernten sie deren andere Arten in den Ländern kennen, sondern um sich in deren Fremdartigkeit um ihre eigenen Seelen zu sorgen.
Waren diese Anderen ihrer eigenen Kultur voraus, waren sie gar von einer anderen Zeit und in der Gunst der Götter in ihrer Art? Zeigte manche englische Kirchenspaltung, manche spanische Krone ebenfalls ihr Interesse, um nicht nur Näheres und Wahrhaftiges um den Menschen aus ihren Kolonien in Erfahrung und in ihre Länder zu bringen. Sie erlernten diese Anderen in ihren Sitten und Gebräuchen, deren fremde Sprachen und Regeln die zum fremden Leben entstanden waren. Und verachteten sie sie darum.

Die Männer und Frauen der Religion sahen und erlebten die Rituale und Bräuche, die nicht weniger Sinn und Zweck hatten und bedeuteten als ihre Zeremonien, die sie von Zuhause in den eigenen Feierlichkeiten vergleichbar erkannten. Sie betrachteten deren Verzierungen ihrer Körper vor den Hochzeiten, die Schriften und Kalender in den unbekannten Symbolen und schauten den impulsiven Jugendlichen zu, die sich erst zu beweisen hatten, bevor sie in den Rat der Männer und Frauen aufgenommen wurden. Sie sahen Säuglinge, die sich scheu und schamhaft an die Mütter klammerten und natürlich an den nackten Brüsten gestillt wurden und sprachen mit Alten, die nach ihrer Weisheit befragt wurden.
Sie sahen Kinder, die mit nur wenigen Dingen die ewigen Spiele aller Kindheit spielten und zahnlose Greise, die gefüttert wurden, und fragte man die Medizinmänner nach der Zukunft, nach den Göttern und Geistern, gab es zur Antwort ein Jenseits in ihrer Vergangenheit und die erkannte Bestimmung in ihrer Allmacht.

Die entstehenden Wissenschaften in der Natur des Menschen schauten in ihren Beobachtungen eher auf die Äußerlichkeiten dieser anderen Fremdartigkeit. Sie legten sich ebenso auf geringe Unterschiede in der Herkunft fest, wie auf deutliche Merkmale dieser anderen Lebewesen und erfanden mit der Sicht auf die vermessenen Anzeichen die Rassenlehre, die ihnen von der theologischen Fakultät und geistlichen Denkweise in der Eigenart der Abstammung ebenso erklärlich schien. Und blieb etlichen von ihnen eine fortschreitende und nach ihrer offensichtlichen Entwicklung benannte Evolution bis heute fremd.

Schwarz-weiß ihre Weisheiten in die Bücher geschrieben, verbrannten sie in den Kontinenten überall die eigenen kulturellen Errungenschaften, die Gedichte, die Erfindungen und manche entstandene Stadt. Die Männer hatten die Götterfrauen in den Anbetungen an ihre Kriegsgötter unterworfen und ihre Fruchtbarkeit erhielt mit den Regeln die ihnen bestimmte Rangfolge der Nachkommen. Von einer Bezeichnung Mensch war man da noch sehr weit entfernt, und dementsprechend von der Menschlichkeit. Viel häufiger waren Bezeichnungen aus der Tierwelt ein Vergleich, die es schnell wie die Wildkatze und schlau wie einen Fuchs schon immer gegeben hatte.
Von nun an sollte der Mann über die Erde herrschen, wie es die Bibel und heiligen Schriften umschrieben, nahmen sie sich Tauben und Raben zum Vorbild, knechteten sie Ochsen und Esel, weideten sie Schafe und Ziegen und verjagten sie die Wölfe. Tiere die sie als Eigentum wie ihre Untertanen beschimpften oder überaus verehrten. Und manches arme Kind, entweder zum Falken oder zum Schwein erklärt, verstand sich weltweit darum nicht in der Gunst der Theologen. In einer Gesellschaft, die es ihren Rechtsordnungen gleichtat, als die Sklaverei der Menschen noch üblich und selbstverständlich war.

Die Geschichte der Zivilisationen rühmte sich ihrer Herrscher und Eroberungen durch ihre Zeit der machtvollen Imperien zumeist im Aufstieg und selten nur in der Lernphase in denen die Anderen der unterworfenen Länder ihre Besonderheiten vorzuweisen hatten. Ein Schwert aus Stahl konnte nicht von denen aus Bronze bezwungen werden, war Porzellan ihnen dennoch eine zerbrechlicher klingende Kostbarkeit als ein biblisches Gefäß aus Steingut, der nur zum Schöpfen am Brunnen taugte.
Von ihren errichteten Zinnen hoch oben sahen die Kulturen herab auf die anderen, gleichwie auf allen Kontinenten, doch waren die Chinesen bereits Künstler in den explosiven Pulvern, mit denen die fremden Zivilisationen erst noch in Dampf und Rauch aufgehen sollten. Die auf einer Grundfläche basierenden Konstruktionen der Pyramiden in Ägypten und Mexiko stehen heute noch, und wenn an die schwankenden Türme von Dubai und Shanghai gedacht, manche Religion auf Babylons Sprachen in ihrer Entstehung fusst.
Auf einem Fundament der unwiderlegbaren Mathematik ebenso wie dem der unsichtbaren himmlischen Mächte mit einem Blick auf ferne Sternenwelten am Firmament. Hat sich der Mensch im Geiste emporgeschwungen, aufgerichtet und hochbegeben stets über den vorstellbaren, den herrschenden und geistigen Horizont hinaus. Oft einem sichtlichen Ende nahe vor jedem weiteren Anfang, der immer wieder und mit allem Wissen und Glauben, in aller Zeitlichkeit des weiteren Werdens, imit der Erkenntnis um die eigene Vergänglichkeit begann.

Den Fachbereichen der Historiker sind solche Einfachheiten und Ordnungen sehr kompliziert, wenn nicht gar primitiv wiederum, was in der Sprachgewandtheit des Menschen noch viel weniger ist. Viel lieber sprechen sie darum von den glänzenden Hochkulturen in goldenen Medaillen, die sie prägen konnten, nachdem die alten Zivilisationen überwunden wurden, und wiederholen sich offensichtlich auch heute ihre Zeitabläufe im Gleichnis ihrer Höhen und Tiefen der hervorgebrachten Münzen.
Denn so weit zurück in der Geschichte verborgen müssen diese Zivilisationen der Anderen gar nicht mehr sein. Schauen wir auf die Gewalt und Konflikte in dieser Welt, finden wir in den Widersprüchen zur Menschwerdung sehr schnell im jungen, entstehenden Europa ein einstiges Jugoslawien in seinen neueren Unterteilungen, in Afrika ein kontrolliertes Ruanda/Rwanda, in China die bedrängten Uiguren und Tibeter, die indigenen Abstammungen in Südamerika, Kanada und Australien.

Dabei sollte alles Unmenschliche doch schon längst Vergangenheit und eben zur Erfahrung den neuen Menschen geworden sein. Und uns zur Achtsamkeit im Miteinander. Denn da sind die Schiiten und Sunniten der Turkvölker in ihrer russischen Einheit, die rechtmäßige Gleichheit in der Herkunft ihrer Bewohner in Amerika und Europa, die Vermischung der Ethnien in einstigen Weltmächten England und Frankreich, die Entwicklung zur kastenlosen Religionsgleichheit in Indien.
Sämtlich zu Strukturen geworden, die sich die Ausbreitung der Weltreligionen, die Christenverfolgung durch Nero, die Verfolgung der Juden seit dem entstehenden Christentum, die Umsiedlung der Germanen, die Besiedlung der Mauren und sich wiederum die Eroberungen durch die Weltmächte miteinander zu teilen haben.
Die eine Finanzierung der Päpste und Künste durch reiche Städte, die Völkerwanderung durch Dschingis Khan, die Reformen und Revolutionen, die brennenden Kirchen, die Inquisition und Gegenreformation der Benediktiner, ein Elend des Dreißigjährigen Krieges, die Blütezeit der Hansestädte, Toleranz im westfälischen Frieden, die beendeten Kreuzzüge und unser aufmerksames Interesse an allem dem Miteinander haben, was eine andere Lebensart ausmacht.

Beschönigungen und Grausamkeiten der Macht, und die Eingeständnisse hierzu von denen immer berichtet wurde, die gab es schon in der Antike. Wie schon die Mazedonier und der ungestüme Alexander wüteten Eroberer in ihren Zeiten weltweit überaus ungehalten und zerstörerisch in den anderen Kulturen. Etliche zerbrachen endgültig darunter, andere verschmolzen miteinander.
Die erzwungenen Hochzeiten ihrer Feldherren mit den Einheimischen und ihre Städtegründungen sollten wiederum die dauerhafte Integration in fremden und eroberten Ländern festigen. Jede der weiteren Kulturentwicklungen hat sich in solcher Verbundenheit auf allen Ebenen ihrer Gesellschaft bis heute mehr oder weniger erfolgreich darin versucht.
Zu Göttern erhoben währte allerdings den Athenern ihr ausgedehntes Reich nicht lange, geschwächt durch den Bürgerkrieg mit den Spartanern schien es dem Römischen Reich nach ihnen klug genug zu sein die fremden Religionen, die in ihrer Anbetung den Völkern glaubwürdig entstanden waren, weiterhin gewähren zu lassen. Zum Vorbild den heute neuzeitlichen Invasionen.

Gibt es mit der Kenntnis doch überall in den Kontinenten und fremden Ländern eine Überlegenheit der Menschen, die als solche ihre Errungenschaften, ihre Kunstfertigkeit, ihre Geschicklichkeit und ja ihre wundervoll primitive Lebensart vorzuweisen haben, mit der sie sich an den einfachen Lebensweisheiten erfreuen können. Die Anderen der Anderen, die Fremden wiederum, verstanden es immer an diesem Glück teilzuhaben.

A.H.S.


'Die Liebenden'
Ein Bild von Rene Margritte